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CROSSOVER

Im September 1999 ist CROSSOVER das erste Mal erschienen. In schwarz-weiß, als Projekt von drei Schulen und mit acht Seiten. Inzwischen gibt es unsere Zeitung in Farbe und sechs Schulen arbeiten gemeinsam an diesem Projekt. Nicht dass wir glauben, der Umfang der Projekte und die Anzahl der Partner könnten oder müssten unendlich weiter-wachsen. Aber die Entwicklung zeigt doch, dass die Idee der Zusammen-arbeit grenznaher, benachbarter Schulen auf fruchtbaren Boden gefal-len ist. Eine Idee, die unter Partnern nicht nur inländische Partner versteht, die Neugierde am Anderen, Fremden wecken will, die Grenzen überschrei-ten und nicht neue errichten will. Uns ist es wichtig, gerade junge Menschen zusammen-zubringen und ihnen neue, gemeinsame Erfahrungen zu ermög-lichen. Denn junge Menschen und auch Schulen zeigen die kreativen Möglichkeiten auf, die in einer ge-meinsamen europäischen Entwicklung liegen. Zwischen dem ersten Erschei-nen von crossover und der aktuellen Nummer hat eine Vielzahl von Pro-jekten und Begegnungen stattge-funden. Gemeinsame betriebliche Exkursionen und Stadtbesichtigungen, gemeinsame Feste und Kulturveran-staltungen. Die folgende Auflistung gibt einen stichwortartigen Überblick über die positiven Auswirkungen der einzelnen Projekte auf alle Teilnehmerlnnen:

Höhere Motivation der SchülerInnen

Stärkeres Selbstbewusstsein (auch   Fremdsprachen zu verwenden)

Betonung der Zusammenarbeit (auch trotz mancher Schwierigkeiten auf Regierungsebene)

Entstehung vieler neuer Kontakte (Briefe, Mails und persönliche  Kontakte)

Neue Erfahrungen (Menschen,  Städte, Unternehmen, Kulturen,  usw.)

Kennenlernen der unmittelbaren  Nachbarn

Neue Wahrnehmung der eigenen Herkunft/Stadt

Wertschätzung des Erlebnisses Reisen

Verstärkte Selbständigkeit

Stärkere Toleranz und Empathie anderen gegenüber

Die Bandbreite der Kooperation reicht von Klassenpartnerschaften, Betriebs-besichtigungen und Stadtführungen und Projekten, die das Gemeinsame der einzelnen Länder herausarbeiten wollen, bis zu historischen Arbeiten und diversen Kultur- und Sportveran-staltungen.

Hans Mörtenhuber, Karl Pleyl

 
Die Schulen des bfi Wien & das Europa von Morgen

Die Arbeit der Schule ist verschiedenen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Spannungsfeldern ausgesetzt. Die Schule kann Anforderungen, die sich durch gesellschaftliche Umbrüche ergeben, auf mehrere Arten erfüllen. Sie kann die SchülerInnen möglichst gut an die neuen bzw. zu erwartenden Verhältnisse anpassen, damit sie sich nach dem Abschluss bestmöglich in die Berufswelt einfügen können. Sie kann aber auch neben dem unerlässlichen Wissen und den erforderlichen Fertigkeiten eine Kritikfähigkeit und Haltungen vermitteln, die es den AbsolventInnen ermöglichen, die Veränder-ungen und die ihnen zu Grunde liegenden Interessen besser zu erkennen und auch an diesen Prozessen als bewusst handelnde Subjekte teilzunehmen.

Für eine wirtschaftskundliche Schule sind die wirtschaftlichen Veränderungen der Gegenwart zentrales Thema. Eine dieser Veränderungen, die sich im Rahmen der sogenannten Globalisierung in Europa vollziehen, ist die europäische Einigung. Diese Einigung kann vordergründig eine Herstellung eines gemeinsamen Marktes sein. Soll diese neue europäische Gesellschaft aber Bestand haben, so muss der Zusammenhalt über die wirtschaftlichen Verbindungen (so wichtig und grundlegend die auch sind!) hinausgehen und durch ein neues gemeinsames, solidarisches Bewusstsein vertieft werden. Nur dann wird dieses gemeinsame Projekt auch krisenfest sein.

Wenn diese Integration nur den Marktgesetzen überlassen bleibt, wird sie sich auf Kosten der wirtschaftlich Schwachen innerhalb und außerhalb Europas vollziehen. Deshalb muss die Politik die Vorherr-schaft über die ökonomischen Vorgänge wieder gewinnen. Über-nationale Integration statt Zerfall in verschieden potente wirtschaft-liche Räume sollte das Ziel sein. Wie weit die europäischen Staaten dieser Integration fähig sind, hängt von ihrem gesellschaftlichen Zustand ab. Nur eine alle ihre BürgerInnen integrierende Gesellschaft mit rechtlicher und sozialer Sicherheit ist in der Lage die über-nationale Integration durchzuführen. Eine auseinanderfallende Gesell-schaft hat diese Kraft nicht!

Neben vielen wichtigen Aufgaben der Schule ist in diesem Zusam-menhang ihre Integrationsleistung für die Gesellschaft von Bedeutung. Sie bietet für viele junge Menschen gleiche Möglichkeiten der Aus-bildung und sie stattet sie mit Fertigkeiten zur Bewältigung des Lebens aus. Indem sie für viele Menschen diese Möglichkeiten bietet, trägt sie dazu bei, dass die Gesellschaft nicht auseinander bricht.

Diesen Anforderungen tragen wir mit unserem Programm in folgender Weise Rechnung. Zu einer umfassenden aktuellen Berufsbildung bzw. Allgemeinbildung kommen an unserer Schule folgende Schwerpunkte hinzu:

Das Zusammenwachsen Europas mit den osteuropäischen Nachbarn erleben. Im Rahmen eines Netzes von Schulpartnerschaften lernen die beteiligten SchülerInnen andere Lebensumstände und gesellschaftliche Kulturen kennen. Dadurch wird ihnen ein neuer Blick auf ihre eigene Lebenswelt ermöglicht. Im "Grenzen-Überschreiten" gleichberechtigter Partner werden bestehende Vorurteile abgebaut. Die selbstverständliche Zusammen-arbeit verschiedensprachiger SchülerInnen sowohl in der Schule als auch mit den Partnerschulen (das bedeutet auch die internationale Kooperation der Übungsfirmen) lassen den Prozess des europäischen Zusammenwachsens zu einem konkret erlebbaren werden.

Junge Menschen und auch Schulen zeigen die kreativen Möglichkeiten auf, die in einer gemeinsamen europäischen Entwicklung liegen.

Eine interkulturelle Kompetenz entwickeln. Durch Reflexion der eigenen Identitäten in allen Gegenständen lernen SchülerInnen sich selbst und andere akzeptieren, entwickeln Neugier für andere Kulturen und Personen und erwerben dadurch die Fähigkeit zum Perspektiven-wechsel. In manchen Klassen arbeiten eine bosnisch/kroatisch/ serbisch sprechende Kollegin und ein türkisch sprechender Kollege einen Teil der Unterrichtsstunden im Team mit den jeweiligen FachkollegInnen zusammen. Unterschiedliche Sprachen und Kulturen, wie die Teamarbeit können dadurch als Selbstverständlichkeit in einer multikulturellen Gesellschaft gesehen werden. Diese Qualifikationen werden in den wirtschaftlichen Arbeitsbereichen, in denen unsere SchülerInnen später tätig sein werden, von Vorteil sein.

Sprachlehrgänge, Sprachkurse und das Europäische Sprachenportfolio sowie kulturelle Veranstaltungen, die auch Südosteuropa und die nichtdeutsche Muttersprache vieler Wiener SchülerInnen zum Inhalt haben, weisen von der Integration in der eigenen Lebenswelt Großstadt zur gesamteuropäischen Integration.

Politische Bildung leben. Die Reaktion unserer Schule auf gesellschaftliche Prozesse ist gelebte politische Bildung. Das heißt, dass die ganze Schule beispielsweise mit unzähligen Programm-punkten im Rahmen einer Aktionswoche "zusammenleben statt ausgrenzen" den vergangenen Wiener Gemeinderatswahlkampf kritisch begleitet hat. Unsere Schülerinnen wissen nicht bloß über Wahlen Bescheid, sondern organisieren Wahlen in der Schule (z.B. die Schulsprecherwahl) als politische Ereignisse. Weiters werden Prozesse wie die europäische Einigung bzw. die Chancen und die Risken einer multikulturellen Gesellschaft als gesellschaftliche bzw. als politische Herausforderungen wahrgenommen, die auch gestaltbar sind.

Und diese Prozesse verlangen nach StaatsbürgerInnen, die analysieren, bewerten und sich demokratisch einmischen können!

Karl Pleyl, Manfred Rott im Jahresbericht der Schulen des bfi-Wien

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