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Michael Hoffman, Wien

Gemeinsam mit meinem Klassenkollegen Roland Neumayr habe ich mich für dieses Projekt beworben und wurde auch genommen. Ganz ehrlich: Wir haben uns kaum auf Brünn vorbereitet. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir am Ende des Schuljahres noch ziemlich viel Stress hatten. Nur mit ein paar Tschechisch-Übungsblättern in der Hand, die wir im Tschechisch-Crash-Kurs in der Schule erhalten haben, machten wir uns also in Richtung Brünn auf. Da ich lange Zugfahrten gewohnt bin, war die Fahrzeit von 2 Stunden nicht die Rede Wert für mich. Mähren ist sicherlich schön, wenn man nicht gerade im Halbschlaf versucht ein Buch zu lesen. Das letzte Kapitel abgehackt, waren wir auch schon am Brünner Hauptbahnhof. Im ersten Moment waren wir ratlos: Wie sollen wir nun vorgehen? Es war ja nichts abgesprochen und wir wussten nicht wie die Personen aussehen würden die uns abholen kommen sollten. Recht schnell kamen uns dann zwei Damen entgegen, die sich dann als unser Begrüßungskomitee entpuppten. Die eine war Slavka, unsere Betreuerin für die ersten zwei Tage und die andere Olga Koudelka, meine Gastgeberin. Nach einer Zeit kam dann auch Rolands Gastgeberin und wir trennten uns für den ersten Tag, dachten wir zumindest. Fünf Minuten später sahen wir uns bei der Straßenbahnstation wieder. Nur das wir in die entgegen gesetzte Richtung fahren mussten.

In der ersten Woche wurden wir, wegen Ferien, kranken Vorgesetzten und technischen Fehlern noch sehr geschont. Ab Woche 2 ging es dann los. Ich wurde zunächst der Organisationsabteilung zugewiesen, Roland kam ins Archiv. Meine Aufgabe bestand darin, Fragebögen zu korrigieren und Dateianhänge zu ändern. Die Arbeit gestaltete sich recht angenehm: Da mein Vorgesetzter großer Queen- und Red Hot Chili Peppers-Fan war, wurden die beiden Bands in unserem kleinen Büro auf heavy-rotation gespielt. Es wurde gescherzt und über die Unterschiede von Tschechen und Polen geplaudert (meine Eltern kommen aus Polen). Verwirrend war die Tatsache, dass manche Mitarbeiter nur Englisch konnten, und andere wiederum nur Deutsch. Ein Mittelding scheint es in Tschechien nicht zu geben.

Bei mir waren die Arbeitszeiten geregelt. Ich musste Montag bis Freitag von 9:00 bis 14:00 arbeiten, mit einer Pause von einer halben Stunde. Roland erfuhr seine Arbeitszeiten immer nur sehr kurzfristig. Anscheinend war das im Archiv nicht anders möglich. Über dieses und andere Themen haben wir uns immer während unseren Mittagspausen in der Kantine unterhalten. Die Mahlzeiten waren übrigens hervorragend zubereitet! Für Knedliki, tschechische Knödel, würde ich jetzt alles tun. In der Freizeit haben wir uns auch oft gesehen, entweder ich war bei ihm um WM zu schauen oder wir haben die Stadt erkundet. Die Altstadt von Brünn ist sehr schön. Erwähnenswert sind die Hauptstraße und der Hauptplatz, die Universität, die Kirche zu St.Petrov, das alte Rathaus und die Burg zu Spilberg. So vergingen die ersten zwei Wochen. Leider haben wir keine tschechischen Partnerschüler kennengelernt. So beschränkte sich der Kontakt mit Einheimischen auf Kellner, Mitarbeiter und Gastfamilien. Menschen in unserem Alter haben wir keine kennen gelernt. Nicht das es keine gegeben hätte, wir wussten einfach nicht, wo die Lokale sind, an denen sich junge Menschen treffen. In der zweiten Woche hat uns ein Reporter vor dem Rathaus angesprochen und gefragt ob er uns interviewen und Bilder von uns machen darf. Ein paar Tage später waren wir in der größten Lokalzeitung: Leider haben wir es verschlafen, uns ein Exemplar zu besorgen.

Am zweiten Wochenende kamen meine Freundin und zwei weitere Freunde von uns nach Brünn. Wir zeigten ihnen die Stadt und den Mädchen das örtliche Shoppingcenter. Die Begeisterung verschwand recht schnell, als sie die Preisschilder sahen. Meine Freundin blieb sogar noch 2 Tage länger. Die Zeit verging leider schnell und sie war auch schon weg.

Am Wochenende darauf (nunmehr das 3. Wochenende) wurde es wieder spannend: Wir brachen auf nach Prag! Und das was wir zu sehen bekamen, war umwerfend. Die Stadt ist wunderschön und ich kann jedem eine Reise nach Prag empfehlen. Einen ganzen Tag lang wanderten wir durch diese alte Königsstadt, und haben dennoch noch nicht alles gesehen. Die Größe der Altstadt ist unglaublich. Und von der Masse an Touristen, waren sogar wir als touristenerprobte Wiener mehr als erstaunt. Leider ging es dem Roland am Ende des Tages nicht gut, was wohl an der - eigentlich komfortablen - Busreise gelegen haben dürfte.

In der letzten Woche wechselte ich von der Organisation zum Marketing. Eigentlich hätte der Wechsel schon eine Woche früher stattfinden sollen. Leider hatten sie im Marketing aber keine Arbeit für mich, so wurde mir in der Organisationsabteilung noch schnell eine Arbeitsaufgabe zusammengeschustert. Im Marketing gab es dann genug zu tun: Ich musste hunderte von Broschüren korrigieren, indem ich einzelne Passagen überklebte. Na ja, eine sehr monotone Arbeit. Auch diese Woche verging und Roland und ich saßen wieder im Zug und freuten uns schon auf Wien. Früher tat ich mir schwer Wien als meine Heimat zu bezeichnen, jetzt tue ich mir schon leichter.