Das gemeinsame Europa - eine schwierige Sache Die SchülerInnen der Schulen des bfi Wien
sind überzeugte EuropäerInnen. Die Zusammenarbeit mit
Partnerschulen in Bratislava, Brünn, Györ, Székesfehérvár
und Vr?ac ist daher unter dem Motto Crossover fixer Bestandteil
unseres Schulalltages. Als HandelsschülerInnen und HandeslakademikerInnen
ist den SchülerInnen die kaufmännische Praxis naturgemäß ein
großes Anliegen, eine Ferialpraxis in den Nachbarländern
kann daher nur von Vorteil sein. Nach zwei Jahren praktischer Vorarbeit konnte von unserer Schule
heuer erstmals ein Ferialpraxis/Workplacement-Projekt als Leonardo-Projekt
der EU aus der Taufe gehoben werden. Auch unsere kaufmännischen
Partnerschulen bieten dieselbe Möglichkeit ihren SchülerInnen
an, internationale betriebliche Erfahrungen in den Nachbarstaaten,
mit Unterstützung der Partnerschulen, zu sammeln. Im wahrsten
Sinne des Wortes ein praktisches ?Über den Tellerrand Schauen" - so
wie es derzeit großflächig als Aufforderung plakatiert
wird. Eine dritte Handelsakademieklasse unserer Schule war maßgeblich
an der Gestaltung der Rahmenbedingungen des Leonardo-Projektes
beteiligt. Am Dienstag, dem 27. Juni 2006, war es so weit. Vier Wiener PraktikantInnen
sollten sich an ihrem künftigen Arbeitsplatz in Bratislava
vorstellen und die begleitende dritte Klasse sollte mit ihren KollegInnen
aus Bratislava Erfahrungen austauschen und die nächsten Arbeitsschritte
koordinieren. Glücklicherweise - so dachten wir - gibt es nun die Möglichkeit
- laut Auskunft der Fremdenpolizei schon seit zehn(!) Jahren -
bei Schulveranstaltungen auf ein offizielles Dokument zurückgreifen
zu können. Nämlich: Auf einer Formularliste der Fremdenpolizei
werden die Namen aller Reisenden (SchülerInnen mit österreichischer
und mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft) eingetragen.
Diese Liste wird von der Schulleitung bestätigt, danach bestätigt
die Fremdenpolizei nach Vorlage aller Pässe diese Liste. Diese Liste erspart SchülerInnen ohne österreichische
Staatsbürgerschaft laut Auskunft des österreichischen
Innenministeriums, des Unterrichtsministeriums und des Rates der
europäischen Union in Brüssel die Verpflichtung, ein
Visum zu beantragen. Ein Visum, das mit durchschnittlich 50 € nicht
gerade billig ist. Die österreichische Fremdenpolizei bestätigt
mit dieser Liste nämlich, dass diese SchülerInnen wieder
nach Österreich zurückkehren dürfen. Nachdem wir nun jahrelang - und offensichtlich zu lange - viel
Geld an die Botschaften gezahlt hatten, waren wir froh, als wir
vor einem Jahr von dieser Möglichkeit erfahren haben und seither
damit schon beträchtliche Geldmittel einsparen konnten. Spät
haben wir es erfahren, aber doch! Manche, so offensichtlich die slowakischen Grenzbeamten am Dienstag,
dürften es noch nicht erfahren haben. Unser Eindruck war vielmehr,
sie wollen sich mit der Möglichkeit, dass SchülerInnen
zu ihren Nachbarn reisen, neue Städte kennen lernen, Vorurteile
abbauen u.a.m., auch gar nicht anfreunden. Diese Beamten haben
die Liste schlichtweg ignoriert und den Aufenthaltstitel einiger
SchülerInnen, aufgrund seiner Scheckkartengröße,
offensichtlich als SchülerInnenausweis interpretiert. So eine
Auskunft, die uns über Umwege erreicht hat, die SchülerInnen
hätten nur Schülerausweise bei sich gehabt! Mit uns hat
der Mann ja - trotz mehrmaliger freundlicher Versuche - nicht mehr
gesprochen, sondern er hat die SchülerInnen mit ausländischen
Pässen sofort in den Transitraum verwiesen. Was tun in so einer Situation? Man wendet sich vertrauensvoll
an die heimischen GrenzbeamtInnen und ... erntet vorerst ein freundliches
Lächeln. Hoffnung kommt auf! Aber leider, die Telefonnummer
der österreichischen Botschaft in Bratislava konnte man uns
nicht sagen. Also, mussten wir selbst recherchieren und kamen schlussendlich
telefonisch zu einer freundlichen Dame in der österreichischen
Botschaft. Viel konnte sie uns allerdings auch nicht weiterhelfen
und schlussendlich bekamen unsere drei Schülerinnen, nennen
wir sie Suzana, Selma und Dejan wortlos(!) von einem slowakischen
Grenzbeamten ein ausschließlich in Slowakisch verfasstes
Schreiben auf die Knie geknallt. Die österreichischen GrenzbeamtInnen beginnen zu interpretieren ... ?das
ist jetzt die Rückweisung". Die freundliche Dame in der Botschaft
versucht immer noch für uns zu verhandeln, aber - so unser
Eindruck - über die SchülerInnenliste weiß niemand
wirklich Bescheid! Noch haben wir aber Hoffnung und warten auf
die Aufklärung dieses Missverständnisses. Die österreichischen
GrenzbeamtInnen weisen uns darauf hin, dass wir sofort den zurückfahrenden
Zug besteigen müssten. Nachdem wir immer noch in Diskussion
mit der österreichischen Botschaft sind, laufen wir naturgemäß nicht
zum Zug. Was ein österreichischer Grenzbeamter mit den hilfreichen
Worten kommentiert: ? ...spüln's Ihna ned bled!!" Da waren wir
auch schon im Zug Richtung Kittsee. Das war's. Der Großteil
unserer Klasse verbrachte den Tag im schönen Bratislava, ich
blieb mit meinen drei SchülerInnen in Kittsee. Auf Schwierigkeiten, die mit der Gruppenkarte und der Aufsichtspflicht
entstehen hätten könnten, möchte ich gar nicht eingehen.
Gott sei Dank war ich als Lehrer nicht alleine mit meinen SchülerInnen,
obwohl sie sich irgendwie allein fühlten und vor allem als
Mensch zweiter oder gar dritter(?) Klasse. So viel zu unserem Leonardo-Projekt und zur Unterstützung
von großen politischen Plänen auf kleiner, praktischer
Ebene. Die gibt's oftmals nicht. Dass eine Handreichung des Rates
der EU, die auch von der Slowakei unterzeichnet wurde, in Österreich
leidlich und in der Slowakei (fast) gar nicht bekannt ist, lässt
einen an manchem zweifeln. Wie gesagt, die SchülerInnen des bfi sind
begeisterte EuropäerInnen - wenn man sie nur ließe!!! Wir ersuchen Sie um Stellungnahme und Einsatz, dass uns in Zukunft
ein solches Missgeschick nicht mehr passieren kann. Mit freundlichen Grüßen für das Berufsförderungsinstitut Wien Mag. Fred Burda Mag.
Karl Pleyl, Hans Karner Direktor der Schulen des bfi Wien begleitende
Lehrer Ergeht an: Slowakische Botschaft Bundeskanzleramt Europangelegenheiten Außenministerium Innenministerium Unterrichtsministerium Österreichische Botschaft in Bratislava Fremdenpolizei |